Textile Geschichten

von Suschna

Musterhefte – Nachtrag Weben

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Ein paar Funde vom Quilttreffen am letzten Sonntag wollte ich euch nicht vorenthalten. Das sind keine Entwürfe für Patchworkdecken – obwohl das eine gute Idee wäre. Das sind Zeichnungen, die angehende Weberinnen in ihren Ausbildungsheften anfertigten.

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Kleine Kästchen, mit Wasserfarben oder Buntstiften detailliert ausgefüllt, zeigen die vielen verschiedenen Webarten. Die unendlichen Möglichkeiten, Kett- und Schussfäden zu verbinden.

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Kleine Stoffproben daneben geben einen Eindruck vom fertigen Produkt.

Ein paar Seiten mit Rastern und Querschnitten von komplizierten Stoffen zeige ich hier – klickt aufs Bild für Einzelheiten.

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Falten- und Plisségewebe

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Doppel-Piqué

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Samt und Plüsch in Doppelware

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Aufgeschnitten: Zwei Lagen Plüsch

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Schlingengewebe. Frottierstoffe.

Stoffe mit kontrastierender Vorder- und Rückseite

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Hohlware mit Steppkette

Schlauchgewebe ohne Naht  (passt zum Beitrag “Das letzte Hemd” – Jesu nahtloses Gewand).

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Ich finde die Seiten ja nicht nur technisch und historisch von Interesse – ich finde sie auch einfach nur schön anzusehen. Außerdem hilft das Anfassen und Anschauen von Proben. Hätte ich ein Buch, in dem alle Stoffarten eingeklebt sind, könnte ich mir endlich unter all den Stoffbezeichnungen etwas vorstellen.

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Flachs, Lein, Hanf, Jute

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Noch ein weiterer Nachtrag zum Thema Weben: Der Illustrator Christoph Niemann hat Berlingeschichte aus Papierstreifen gewebt.

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Oben links ein Sprung über die Mauer, oben rechts der Mauerfall, siehe Tagesspiegel

Aber auch ansonsten scheint er textilaffin

 

Stoffspielerei im August: Dachbodenfund gerettet

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Lange gesucht und gefunden: Eine stockfleckige Kiste, die meine Eltern freundlicherweise seit meiner Schulzeit auf ihrem Dachboden gelagert hatten. Meine Mutter beschriftete sie wohl nach meinem Auszug.  Den Karton brauchte ich für die Aktion Stoffspielerei, denn  Lucy  hatte  für diesen Monat “Weben” vorgeschlagen.

Als ich die Kiste aufklappte, war ich überrascht: Auf meinem Schulwebrahmen ruhte noch mein letztes Projekt.

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Die Kettfäden, offensichtlich aus Nähgarn, hatte ich sehr lang angelegt. Wahrscheinlich wollte ich einen Schal machen. An die wie ein Pfauenauge schillernde Wolle kann ich mich noch erinnern.  Für meine Verhältnisse war alles überraschend sauber gearbeitet, den Rand hatte ich ziemlich gleichmäßig hinbekommen.

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Da ich inzwischen weder passende Wolle hatte noch einen Pfauenaugeschal wollte, schnitt ich die Kettfäden ab. Und das 40 cm lange Stück?  Stoffspielerei sei Dank ist es nicht wieder auf einem Dachboden gelandet. Es wurde zu einer gefütterten Tasche.

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Das Verarbeiten des lockeren Webstücks war gar nicht so einfach, es hat beim Annähen des Reißverschlusses ziemlich gelitten. Besser wäre es gewesen, alles vor dem Nähen zu hinterfüttern und nur Handnähte zu verwenden.

Nun freue ich mich, dass mir unser Sonntagstermin einen Kick gegeben hat, das Webstück zu retten. Auf dem Webrahmen ist auch noch genug Kettfaden zum Weiterweben vorbereitet.   Wer noch ein bisschen zum Thema lesen möchte: Hier erzählt eine Paramentenweberin, was sie so macht.

Danke an die ganze Runde und besonders an Lucy, die heute auf ihrem Blog die Links sammelt.

Schönen Sonntag noch und viel Freude beim Anschauen anderer Gewebe!

Streifenshirts und visuelle Gedächtnisse

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Überall Militär im Fernsehen. Mein Blick bleibt am Ausschnitt des Sprechers des ukrainischen Verteigigungsrats hängen. Er trägt unter seiner Jacke ein gestreiftes Shirt. 

Ich denke zuerst an Jean Paul Gaultier,  dann an bretonische Fischerhemden,  Beatniks, Picasso mit Brötchenfingern, James Dean, Brigitte Bardot.  Von allen gibt es Fotos im Streifenhemd. Wie kommt das Hemd in die ukrainische Armee?

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Ich finde heraus: Das Telnyashka, das gestreifte Trikothemd, gehörte schon seit 1874  zur Uniform der russischen Marine. Russische Quellen schreiben die Verbreitung holländischen Handelsschiffen zu, die das bequeme Trikot aus Frankreich und den Niederlanden mitbrachten. Später übernahmen  andere Teile der sowjetischen Streitkräfte das Hemd.

In Frankreich war das Streifenhemd bereits 1858 offizieller Teil der Marineuniform. Die Anzahl und Breite der Streifen wurden per Dekret genau festgelegt.  Dass die Streifen Napoleons Siege symbolisieren sollten ist nur eine Legende.  Ebenso läßt sich nicht belegen, warum ausgerechnet die blau-weißen Streifen Tradition wurden. Vielleicht weil Matrosen so leichter in der Takelage oder im Wasser gesehen werden konnten?

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Marin francais, via Wikicommons

Tatsache ist jedenfalls, dass das Streifenhemd bei Seefahrern und Fischern sehr beliebt war und dann Anfang des 20. Jahrhunderts vom Jet-Set auf Urlaub an der französischen Küste als modisch aufgegriffen wurde. Coco Chanel verbreitete Marinelook über ihre Boutique in Deauville. Das Streifenshirt, das sie am Hafen gekauft hatte, trug sie aber nur privat. Saint Laurent und Gaultier brachten den gestreiften Strick auf die Laufstege. Heute ist das Shirt allgegenwärtig.

Gleichzeitig haben solche Signalstreifen aber noch eine andere Geschichte: Im frühen Mittelalter kennzeichnete gestreifte Kleidung diejenigen, die außerhalb der Gesellschaft standen.  Bekannt ist gestreifte Häftlingskleidung – es ging es darum, einen Menschen aufgrund der Kleidung gleich erkennen zu können. Im Karneval braucht es nur einen  Pyjama mit schwarz-weißen Blockstreifen, fertig ist der Sträflingslook. Die Verkleidung wird allgemein verstanden.

Hier kommt nun eine Meldung von gestern ins Spiel.

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Für mich ist die Assoziation beim Anblick des Fotos ganz eindeutig und ich saß zunächst mit offenem Mund da. Wie kommt es, dass so etwas in einem großen Bekleidungskonzern nicht an irgendeiner Stelle gestoppt wird? Sitzt dort niemand mit meinem visuellen Gedächtnis? Ich habe das Foto verschiedenen Nationalitäten meiner Generation gezeigt. Alle waren gleich entsetzt. Ein Streifenshirt wird mit einem gelben Stern auf der linken Brust zum KZ-Hemd, das ist klar.

Und dann habe ich  Teenager nach ihren Assoziationen zu dem Shirt  gefragt.  “Meer, Marine, See, Petit Bateau”- “Nacht, Sterne”- “Sheriff im wilden Westen, Polizei”.  Das Ergebnis war eindeutig, die Ideen ganz unschuldig.  Es braucht nur eine Generation, um eine Assoziation zu verwischen.

Die einen denken beim Anblick des ukrainischen Sprechers an Gaultier und die anderen beim Zara-Shirt an die Wasserschutzpolizei. So verändert sich die Welt. Hauptsache, die alten und die jungen Gedächtnisse und die verschiedenen Kulturkreise hören sich gegenseitig gut zu.

 

Tour de France textil

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Immer wieder schön: Vorhanglösungen in Frankreich

 

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Gotischer Bilderteppich: Die illuminierte Fassade der Kathedrale von Amiens. So bunt bemalt waren Kirchen im Mittelalter.

 

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Touristenattraktion und UNESCO-Welterbe: Teppich von Bayeux in der Normandie. Ein 60 Meter langer bestickter Fries aus dem 11. Jahrhundert. Für die Reise zu diesem Wunderwerk hatte ich im Rahmen der Familienverhandlungen einiges in die Waagschale geworfen.  Und war nach dem Besuch dann sauer.  Aber dazu ein anderes Mal mehr.

 

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Bild: MAHB Bayeux, Lizenz

 Spitzenherstellung in der Normandie – im Museum Baron Gérard, MAHB, in Bayeux lässt sich erahnen, was für unglaubliche Kunstfertigkeiten für das Verbinden der haarfeinen Fäden nötig waren. Mit vielen Schubladen zum Herausziehen, so wie man es sich als Bewunderer von Spitzenkunst wünscht.

Gustave Caillebotte im MAHB. Quelle: Wikicommons

 

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Rekonstruiertes Renaissance-Bett im Schlösschen Azay-le-Rideau nahe der Loire. Die verwendeten Textilien darf man auf der Schautafel anfassen.

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Schönes Buch zur Geschichte der Stoffe in Frankreich .  (Gebraucht günstig zu haben, z.B. abe-books).

 

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Prophet in Extase: Eine in der Romanik seltene Darstellung von bewegtem Faltenwurf und Spitzenbordüren, alles aus einem Steinblock gehauen. (Abtei in Souillac, Dordogne).

 

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Schneiderateliers, Nähcafés, Patchworkgeschäfte und -märkte in den abgelegensten Orten.  Dafür sucht man dann aber vergeblich nach Glühbirnen, Kaffeelöffeln oder Papierkörben.

 

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Kreuzstickende Besucherin auf einem Bauernmarkt in den Pyrenäen.

 

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Die Unabhändigkeitsflagge der Katalaner an einem Haus in den Pyrenäen.  Katalonien will ein eigenes europäisches Land sein – und schaltet dafür auch Kinowerbung hinter der französischen Grenze. Am 9. November soll über die Abspaltung von Spanien abgestimmt werden.

 

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Von den Pyrenäen in die Provence nach Avignon: Gefängniskleidung der ehemaligen Haftanstalt, die erst vor zehn Jahren geschlossen wurde. Momentan läuft dort die Ausstellung “La Disparition des Lucioles“. Die moderne Kunst in den Zellen kommt kaum gegen die Atmosphäre des Gebäudes an.

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Stickerei auf bedrucktem Stoff und Papier, Francesco Vezzoli, nach Ingres

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Tom Burr, Susan Blushing

 

 

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Loombands sind uns überall auf der Reise begegnet. Die ganze Jugend “häkelte” diese Gummiarmbänder. Sind sie bei euch auch der letzte Schrei?  Zurück im kalten Berlin wirken sie aber irgendwie nicht mehr ganz so tragbar.

Soweit meine Textilfotos aus Frankreich. Mangels Internet kommen sie nun in geballter Form  Drei Wochen ohne Anschluss, das war auch mal ganz gut.

Aber nun freue ich mich wieder über mein und euer Onlinedasein.  Und weise zum Abschluss auf die französische Version der Great British Sewing Bee hin.  Ansonsten bis bald!

 

 

 

Stoffspielerei im Juli: Sashiko zum Putzen

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Für die heutige Stoffspielerei hat  Frifris das Thema”Sashiko” ausgerufen.  Gelegenheit,  mich mit dieser japanischen Stickerei zu versöhnen.

Hatte ich doch vor bald fünf Jahren über Sashiko behauptet: “Viel Spaß beim Probieren – ich für mein Teil lasse in Zukunft die Finger davon”.  Das ließ eine japanische Freundin damals nicht gelten und schenkte mir ein Fertigpaket, direkt zum Loslegen mit vorgedruckten Sticklinien.

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Also habe ich mir nun die zwei Lagen Baumwolle vorgenommen, immer hoch-runter mit einer langen Nadel und blauem Baumwollgarn gestickt. Was wohl in der japanischen Beschreibung stand? Ich kann nicht  sagen, ob ich alles richtig gemacht habe.

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Ich weiß nur, dass es unfassbar lang gedauert hat, 6 Stunden Autobahn und noch einen Fernsehabend.

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Diese Mühen sind schnell vergessen, wenn man am Ende ein schönes Putztuch hat.  Zum Wischen ist der Lappen nämlich gedacht. Mehr dazu und zu den Werken meiner japanischen Freundin in diesem Beitrag: Sashiko mit Himmelsbaum.

 

Nun bin ich gespannt, was  Frifris und andere auf japanisch gestickt haben. Vielen Dank für das Thema und das Sammeln der Links, liebe Frifris!

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Meine afrikanischen Stoffe – falsch oder echt?

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Gleich drei glänzende “Echtheits”aufkleber. Vielleicht App-Tex aus Pakistan? Die Webadresse läuft ins Leere.

Inzwischen ist es mir hier  selbst im Keller zu heiß. Das richtige Klima für afrikanische Druckstoffe aus Baumwolle, sogenannte Waxprints/Javaprints/Fancies.  Die  SS 2015 – Schau von Lena Hoschek auf der Fashion Week hat gerade wieder gezeigt, wie toll die Muster eingesetzt werden können.

In den letzten Jahren habe ich afrikanische Baumwolldrucke  im Internet, auf der Textile Art und auf Märkten gekauft und war froh, überhaupt welche zu bekommen, deren Muster mir gefielen.  Inwischen habe ich immer mal Bemerkung gehört, es gäbe “echte” und “falsche” Versionen dieser Stoffe.  Auf den Webkanten bei mir steht irgendetwas von “guaranteed, veritable, real”.  Zeit, sich mal näher mit dem Thema zu beschäftigen.

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Darüber, dass diese Druckstoffe eigentlich gar nicht genuin afrikanisch, sondern indonesischen Ursprungs waren und von den Kolonialmächten England und Holland in Westafrika eingeführt wurden hatte ich zum ersten Mal  hier geschrieben, andere Blogbeiträge zum Thema hier.

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Sofa zur WM, vor vier Jahren gebloggt.

Sicher ist, dass Stoffe der niederländischen Traditionsmarke Vlisco die teuersten sind und in Westafrika einen sehr hohen Status haben.

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Auf diesem Stoff steht Vlisco drauf – ob auch Vlisco drin steckt?

Ein Großteil der in Afrika angebotenen Stoffe werden aus Europa oder Asien importiert oder vor Ort – meist von Tochterfirmen europäischer Marken – produziert.

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Im Lauf der Zeit ließen Firmen in Asien günstiger drucken – und inzwischen bieten auch asiatische Hersteller die Stoffe an. Chinesische Produzenten sind dabei, prestigeträchtige europäische Marken aufzukaufen.

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Bewährt sich im zweiten Gartenjahr: Tischdecke aus Stoff der chinesischen Firma Hitarget – bis zu 50 Prozent der in Ghana verkauften Stoffe stammen von Hitarget.

Es lässt sich also nicht sagen, welche dieser Stoffquellen nun die bessere weil  “authentische” ist. Mit Sicherheit “falsch” sind Stoffe, die geschützte Muster kopieren oder sich z.B. mit einem gefälschten Vlisco-Label schmücken. Das heißt aber noch nicht automatisch, dass die Stoff- und Druckqualität sehr schlecht ist. Inzwischen gibt es sogar Kopien von angesehen asiatischen Labels – das “Made in” führt also nicht weiter.

Eine gute Qualtität hat eine hohe Fadendichte, zeigt satte, leuchtende Farben, der Druck ist auf Vorder- und Rückseite gleich stark,  die Farbe wäscht und bleicht nicht aus,  der Druck ist klar.

Bei meinen Stoffen sehe ich keine großen Qualitätsunterschiede, habe aber auch noch nicht alle benutzt und gewaschen. Zwei Stücke, die ich vor Jahren auf dem holländischen Stoffmarkt gekauft habe, scheinen mir etwas dünner und gröber, weniger glatt.  Mit den Stoffen aus dem Internet (Pamoja) als auch denen vom Maybachufermarkt hier in Berlin bin ich zufrieden. (Auf dem Markt muss man die raren Stoffe allerdings erst einmal erspähen – am besten wie ich lokal versierte Nähnerds dabeihaben! Wie wäre es eigentlich mal mit einem Geschäftsmodell “Nähnerd-Marktguide”?)

Viele der Stoffe sind sehr fest und haben anfangs noch eine glänzende wachsartige Oberfläche. Afrikanerinnen mögen das wohl gern – es lassen sich daraus skulpturale Kleidungsstücke herstellen. Die Beschichtung wäscht sich mit der Zeit aus. Ich habe auch gelesen, dass manche die Stoffe “nachwachsen”, um den festen Griff und den Glanz zu behalten.

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Mein Kleid, hier gezeigt,  ist mir mit dem festen Stoff ehrlich gesagt ein bisschen zu hart und unbequem. Ein Rock wäre vielleicht besser gewesen.

Traditionell ist ein Stoffstreifen 6 yard (ca. 5,50 Meter) lang und liegt etwas über einen Meter breit.  In manchen Geschäften muss man gleich die ganzen 6 yard kaufen, aber meine Quellen ließen auch Abschnittskäufe zu.  Zwischen fünf und zehn Euro pro Meter habe ich bezahlt.

Hier  noch zwei weiterführende Beiträge zum Thema:   History of Dutch Wax Prints und Borrowed Ideas:  Wax Prints.  Kaufinfos für Paris habe ich in diesem Blog gesehen. Und falls eure Urlaubsroute nach Holland geht, könnt ihr ja in Helmond bei Vlisco anhalten.  Ich arbeite zur Zeit daran, unsere Reiseroute entsprechend zu manipulieren.

Wie immer freue ich mich über Zusatzinformationen. Habt ihr noch Bezugsquellen getestet?

Zum Abschluss der Link zur Modenschau und zwei passende Twittereien.

 

 

(In dem Interview erzählt Nina Hoschek, welche Probleme sie hat, Models in Größe 36 zu finden – die meisten Pofis sind leider dünner…)

 

 

Klöppeln im Billiglohnland

 

Die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters lernt 1840 im Erzgebirge Heimarbeiterinnen kennen. Sie schreibt daraufhin das Gedicht “Die Klöpplerinnen”.

Klöpplerinnen

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen
Die Wangen bleich und die Augen rot!
Sie mühen sich ab für einen Bissen,
Für einen Bissen schwarzes Brot!

Großmutter hat sich die Augen erblindet,
Sie wartet, bis sie der Tod befreit -
Im stillen Gebet sie die Hände windet:
Gott schütz’ uns in der schweren Zeit.

Die Kinder regen die kleinen Hände,
Die Klöppel fliegen hinab, hinauf,
Der Müh’ und Sorge kein Ende, keine Ende!
Das ist ihr künftiger Lebenslauf.

Die Jungfrauen all, daß Gott sich erbarme,
Sie ahnen nimmer der Jugend Lust -
Das Elend schließt sie in seine Arme,
Der Mangel schmiegt sich an ihre Brust.

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen,
Seht Ihr die Spitzen, die sie gewebt:
Ihr Reichen, Großen – hat das Gewissen
Euch nie in der innersten Seele gebebt?

Ihr schwelgt und prasset, wo sie verderben,
Genießt das Leben in Saus und Braus,
Indessen sie vor Hunger sterben,
Gott dankend, daß die Qual nun aus!

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen
Und redet noch schön von Gottvertraun?
Ihr habt es aus ihrer Seele gerissen,
Weil sie Euch selber gottlos schaun!

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen
Und fühlt kein Erbarmen in solcher Zeit,
Dann werde Euer Sterbekissen
Der Armut Fluch und all ihr Leid!

via Wortblume


Das Gedicht wird 1840 im Erzgebirge in einer Lokalzeitung veröffentlicht und löst wegen seines sozialkritischen Inhalts große Empörung aus.

Dazu passt dieser Holzstich, der  klöppelnde Kinder im Erzgebirge Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt.

Leider darf ich die Abbildung aus dem Bildarchiv preußischer Kulturbesitz aufgrund der Nutzungsbedingungen nicht ohne vorherige Anfrage zeigen.  Die Library of Congress in den USA bietet dagegen zum Glück gemeinfreie Bilderdatenbanken. Dort habe ich viele Fotos zur Heimarbeit Anfang des letzten Jahrhunderts gefunden.  Geklöppelt zu Niedrigstlohn wurde  auch dort.

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Mutter und 13jährige Tochter klöppeln in Heimarbeit in New York, 1911 Quelle

Gewebtes auf der Textile Art

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Bildweberei von Ruth Löbe

 

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Handweberei Sylvia Wiechmann

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Beate Baberske, Fensterbahn

 

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Kanteweberei von der Baobab Schule, Ghana

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Laima Oržekauskienė, Women in their Fifties. Handgewebt + Digitaldruck

Dieses Jahr habe ich mich sehr gefreut, dass ich auf der Textile Art in Berlin-Kreuzberg Fotos machen durfte! Endlich kann ich zeigen, was mir gefallen hat und fleißig verlinken. Leider hatte ich diesmal nur ganz kurz Zeit und bin über den Schwerpunkt Weben kaum hinausgekommen  –  allein da war schon so viel zu sehen.

Falls jemand Lust hat, alles, Weben, Sticken, Stricken, Klöppeln, Filzen und Posamentieren als Handwerksberuf zu lernen: Es gibt jetzt eine Ausbildung zum “Textilgestalter im Handwerk“.

Und hier ein Blick auf einen Teil meiner Einkäufe, alles aus Afrika.

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Mehr Bericht und Bilder, auch zum Gebäude, hier bei hehocra.

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Kurznachrichten

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CMYK-Buchstaben in Kreuzstich und moderne Monogramme, gestickt von Evelin Kasikov.   Hätte ich für die Stoffspielerei von Sonntag besser mal früher gefunden.

Was Wäsche wert war:  “Ich kam nach Frankfurt, um mein Silber zu versetzen, das Letzte, was wir hatten; in Köln ließ ich meine Möbel verkaufen, weil ich Gefahr lief, Wäsche und alles mit Beschlag belegt zu sehen.”  (Jenny Marx in einem Brief 1850).  Später muss dann doch auch dieser Teil ihrer Aussteuer noch herhalten.

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Dank an Karen für den Hinweis.

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Jenny und Karl Marx, Wikicommons

Eigentlich waren unsere Vorfahren nicht so streng wie sie auf den Fotos erscheinen.  Sie mussten eben nur 3 Sekunden ganz stillhalten.

 

Darf sich bewegen: Die heilige Familie. Maria webt Bändchen, Josef hobelt(?), und Jesus lernt laufen.

Jesus in a baby walker from the Hours of Catherine of Cleves

Stundenbuch der Katharina von Kleve, Wikicommons

Was ich noch so auf Twitter los- und weitergeschickt habe:

Männer am Klöppelsack schaffen nur einfache Muster mit wenigen Klöppelpaaren. Frauen beherrschen 50 Paare und mehr. (1870 im Erzgebirge)

An der Wand eines Nähsaals in Strafanstalt um 1900 » Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen.«

Ostprodukte im Westregal und Westware aus dem Ostknast – läuft gerade im rbb

Warum Farben verblassen. via

Zuerst die Tuchgeschichte von Schwarz-Rot-Gold und dann noch lustig Fußball

Primark: Hilferufe in Kleidern sind Fälschungen

Shopping-Samstag bei Primark: Unsere Autorin hat sich ins Textilgewühl begeben und fällt vom Glauben ab (raw)

Empfehlungsliste: 50 Filme mit und über Mode http://t.co/gtLf22ntey

 

Nicht-Twitterer, macht so eine Auflistung Sinn? Versprochen hatte ich es ja.

Stoffspielerei Juni: Monogramme und mehr

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Heute sammle ich hier Links zur monatlichen Stoffspielerei. Statt Monogramm gibt es bei mir hier nur ein schnell geschossenes Bild von einer maschinengestickten Zahl auf einer Ehrenplakette. Mit solchen selbstgemachten Ansteckern als Geburtstagsgeschenk werde ich mich in diesem Jahr wohl noch oft auf den Weg machen. Danke an Kreuzberger Nähte für die Idee!

Die Ziffer 50 habe ich mit Bleistift vorgezeichnet. Wie es dazu kam ist eine längere Geschichte. Da sollten jetzt vielleicht nur Spezialinteressierte weiterlesen. Die anderen können gleich ganz nach unten springen, da liste ich andere Stoffspielereien auf.

Mit meiner angekündigten Schablonenstickerei bin ich leider ziemlich gescheitert. Und zwar habe ich bisher keine geeignete Farbe zum Übertragen gefunden.

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Ursprünglich gehörte zu den Kupferschablonen wohl eine Näpfchen blauer Farbe, das war bei mir aber nicht dabei. Also stupfte ich zunächst eine Mischung aus farbiger Kreide und Wasser auf. Das klappte zwar, nutzte sich beim Sticken aber zu schnell ab. Zweiter Versuch mit Tuschkastenblau: Ging gut, aber wusch sich nach einer und auch nach einer zweiten Maschinenwäsche nicht aus.

Dann entschloss ich mich genervt zu einer Testreihe.  Ergebnis: Tuschkastenfarbe, Aquarellnäpfchen, Lidschatten und Frixion-Stift sind nach einer 30 Grad-Wäsche noch zu sehen. Der Lidschatten aber so minimal, dass er zum Übersticken geeignet wäre. (In der Mitte seht ihr in Weißstickerei das unsichere Monogramm nach Kreidemarkierung und ein – von der Tuschkastenfarbe endgültig gebläutes – gesticktes B)

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Nach der Wäsche spurlos verschwunden sind Bleistiftstriche in Stärke F und 5B und Aquarellstift. Zum Durchstupfen einer Motivschablone sind sie aber nicht nützlich. Zu diesen Fragen gibt es im Hobbyschneiderinnenforum einen ganz interessanten Thread.

Inzwischen hatte ich über Antique Pattern Library noch Monogrammvorlagen gefunden und wollte die gern nutzen. Und zwar am liebsten direkt vom Bildschirm des Tablets.

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Da habe ich dann auch ganz schön herumprobiert. Damit der Bildschirm nicht mehr auf meine Finger reagiert versuchte ich u.a. verschiedene Acryl- und Glasplatten, ging nicht. Um es kurz zu machen: Es gibt Apps, die die Touchfunktion blockieren. Nachdem ich das endlich geklärt hatte, war mein Bildschirm nicht hell genug, um direkt auf den Stoff abzupausen. Also den Umweg über Transparentpapier genommen, dann alles am Fenster (mit Bleistift)  auf den Stoff übertragen. (Der Bügelmusterstift,  hier benutzt, hätte die Sache auch nicht erleichtert).

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Durch dieses zweimalige Abpausen wird alles ungenauer. Und die Deadline für das Hochzeitsgeschenk, das ich mit Monogrammen versehen wollte, war ohnehin schon abgelaufen. Meine Ebayfunde – Serviettenringe mit “Vati”Gravur, passend für ein Männerpaar – bekamen dann Servietten ohne Stickerei.

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Für die Zukunft merke ich mir, dass ich für Vorzeichnungen mit weichem Bleistiften arbeite und bei Schablonen mit angefeuchtetem Puderlidschatten. Die nächste 50er-Rosette bestickte ich dann mit Ziffern von der Kupferschablone. Aufgegeben habe ich noch nicht.

Nun hoffe ich, dass andere mit dem Thema ein bisschen weiter gekommen sind als ich.  Und dass jemand noch Tipps hat, vor allem für die Schablonen?

Eure Blogbeiträge liste ich dann heute abend weiter auf. Meldet euch auch gern in den Kommentaren,  damit ich euch finde.

Karen zeigt gleich mehrere Monogramme, hat noch viele Ideen und spricht auch den historischen Hintergrund an.

Griselda hat sich auf einem Rock genial ausgetobt und zusätzlich auch Geschichten von früher.

Bei Stoffknopf dann auch ein Kupferschablone – schön schlicht umgesetzt.

Und wenn ihr nun noch Fragen offen habt, dann geht ihr zu 123-Nadelei und findet sie alle beantwortet, eine Wissensschatzkiste!

Auf zwei Arten applizierte Mongramme findet ihr bei Siebenschön-Design, und auch noch ein Kreuzstichalphabet, das eine Fleißarbeit war.

 

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  Juli 2014.  Frifris wird ein Thema bestimmen und die Links sammeln.

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